Die Energie, die aus dem Wasser kam

Schema einer Wärmerückgewinnung aus Wasser.

In den Produktionsprozessen von Emmi spielt Wasser eine wichtige Rolle. Knapp drei Millionen Kubikmeter Wasser verbrauchen die Emmi Betriebe in der Schweiz jedes Jahr. Die Mehrfachnutzung von Wasser ist deshalb ein wichtiges Umweltziel. Mit Wasser wird gereinigt, gekühlt und erwämt. Und hier kommt die Energie ins Spiel.

Kommen zwei Stoffe mit unterschiedlichen Temperaturen zusammen, so gleichen sich die Temperaturen an. Einfacher gesagt: Heiss und kalt gibt zusammen lauwarm. Wärmeübertragung nennt sich dieser Prozess. Dazu müssen sich die beiden Quellen nicht einmal physisch berühren, ein Annähern reicht bereits. Wer diesen physikalischen Grundsatz kennt, kann ihn gezielt nutzen, um Energie zu sparen. Die Emmi Betriebe in der Schweiz haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte zur Wärmerückgewinnung umgesetzt. Wasser als Energieträger spielt dabei eine wichtige Rolle.

Pionierprojekte in Ostermundigen

Die Ursprünge der Wärmerückgewinnung aus Wasser bei Emmi liegen in Ostermundigen. Seit 2008 wird dort Wärme aus Abwasser zurück gewonnen. Davon fallen aus Reinigungs- und Sterilisationsprozessen täglich rund 17'000 m3 an. Mit der entzogenen Wärme wird Reinigungswasser vorgewärmt, was jährlich über 260'000 m3 Erdgas spart und somit die CO2-Emissionen von Emmi um 520 Tonnen reduziert.

Pionierhaft ist auch der seit 2009 bestehende, überbetriebliche Wärmeverbund Mösli. Dort gibt warmes Wasser aus den Kühlprozessen im Emmi Betrieb über einen Wärmetauscher Energie an das kalte Wasser der Energiezentrale Mösli ab, das anschliessend als Lauwasser zurück in die Zentrale fliesst. Von dort aus werden über Fernwärmeleitungen die Liegenschaften im Gebiet Mösli versorgt. Mit der von Emmi eingespeisten Wäme wird ein Drittel des Bedarfs des Wärmeverbunds gedeckt. So werden jährlich knapp 90 Tonnen CO2 vermieden. Auch die Elektroräume in Ostermundigen werden seit rund einem Jahr mit Rückkühlwasser abgekühlt. Und pünktlich auf den Winter 2013/14 konnte die Beheizung des Tankwagenbahnhofs mit lauwarmem Rückkühlwasser in Betrieb genommen werden, was gleichzeitig die Kühltürme entlastet.

Auch im westlichsten Produktionsbetrieb von Emmi in der Schweiz beginnt der Wasserkreislauf mit einem Kühlprozess. Im Gegensatz zu den meisten anderen Betrieben kann der Standort Moudon auf Wasser aus eigener Quelle zugreifen. Dieses misst 10 Grad und eignet sich optimal zur Kühlung der Kompressoren. Von diesen Kompressoren nimmt das Wasser Wärmeenergie auf und ist anschliessend bis zu 45 Grad warm. Diese Wärme wird vielseitig eingesetzt, beispielsweise um im Winter den Gruyère-Felsenkeller zu beheizen.

Vorbildliche Wassernutzung in Suhr

Erklärte Ziele der Umweltpolitik von Emmi sind, den Frischwasserverbrauch zu minimieren und Energie effizient zu nutzen. Dabei liegt der Fokus auf der mehrfachen Nutzung von Wasser und dem wirtschaftlichen Einsatz von Energie durch Wärmerückgewinnung.

Vorbildlich zeigt dies ein aktuelles Projekt zur Wassernutzung und Wärmerückgewinnung in Suhr. Dabei wird mit modernster Technik die Abwärme aus bestehenden Prozessen zurückgewonnen und als warmes Prozesswasser mit unterschiedlichen Temperaturniveaus bereitgestellt. Zur nachhaltigen Wassernutzung wird erwärmtes Trinkwasser, das beim Pasteurisieren von Milch anfällt, nicht ins Abwasser geleitet, sondern in sogenannten Lauwasserbecken aufgefangen. Dieses saubere Wasser kann nochmals eingesetzt werden: Die Milch wird damit von 95 auf 40 Grad abgekühlt, während im gleichen Zug das Wasser auf 40 Grad erwärmt wird. Bevor das Wasser als Abwasser in die Kanalisation geleitet wird, kann es noch ein weiteres Mal genutzt werden,  als Spülwasser. Die Mittellandmolkerei in Suhr spart so jährlich bis 70'000 m3 an Frischwasser und fast 3 Millionen kWh Energie ein. Dies entspricht dem jährlichen Energiebedarf von rund 100 Schweizer Haushalten. Positiv wirkt sich diese gewichtige Investition von 1,2 Millionen Franken auch auf die CO2-Bilanz von Emmi aus: 550 Tonnen CO2-Emissionen fallen so jährlich weg.

Pinch-Analyse zeigt Potenzial

Die in Emmen durchgeführte Pinch-Analyse hat gezeigt, dass bei diesem Betrieb grosse Energiesparpotenziale im Wasser schlummern. Aufgrund dieser Erkenntnis wurden für 2014 diverse Massnahmen geplant, um diese Wärme inskünftig zu nutzen. So soll es bald möglich sein, die Gebäude mit Wärme aus Abwasser zu heizen.

Weiteres Energiesparpotenzial liegt aber nicht nur im Wasser. Das zeigen beispielsweise die Käsebetriebe Landquart und Kaltbach. Sie gewinnen seit einiger Zeit Energie aus Molke zurück. Alleine in Kaltbach können so jährlich über 50'000 Liter Öl gespart werden. Das lohnt sich - für Emmi und für die Umwelt.