Wenn Schmutzwasser zur Leidenschaft wird

Wasser wird bei Emmi fürs Kühlen und Erwärmen, für Hygiene und Reinigung eingesetzt. Am Ende fliesst es als Abwasser in die Kanalisation. Damit verlassen auch wertvolle organische Stoffe den Kreislauf von Emmi. Nicht so in Dagmersellen, wo ein findiges Team neue Verwertungsmöglichkeiten gefunden hat. Dafür wurde es mit dem Emmi Nachhaltigkeitspreis 2013 belohnt.

Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) am Standort Dagmersellen ist rund 25 Jahre alt. Weil die Gemeinde das Abwasser nicht mehr bewältigen konnte, wurde Emmi damals vom Kanton Luzern beauftragt, eine eigene Anlage zu bauen. Emmi verbesserte die ARA laufend. Ein Thema blieb jedoch die Geruchsentwicklung: Milch enthält unter anderem auch Schwefel und Stickstoff. Beim Abbau der Stoffe entsteht ein strenger Geruch. Darüber beklagten sich die Nachbarn immer mal wieder.

Mit Eifer bei der Sache

Nach zahlreichen Anläufen fand sich die Lösung schliesslich im Biofilter, der die Abluft reinigen sollte. Dessen Bakterien waren zeitweise fast inaktiv – die Lebensdauer wurde vom Hersteller sowie von externen Experten falsch eingeschätzt. Erst der im Juli 2012 eingestellte Klärwärter Rolf Reichlin und sein Team kamen dem Problem auf die Spur. Und sie beschäftigen sich seither mit unablässigem Eifer mit den Innereien der betrieblichen ARA. Rolf Reichlin lacht: "Schmutziges Wasser ist sozusagen meine Leidenschaft." Der neuste Kniff gelang zu Beginn des Jahres: Die Abluft aus dem Biofilter wird seither in eine Mikrogasturbine geschleust. Diese verbrennt noch die allerletzten Geruchsmoleküle. Damit gehören die Beschwerden der Vergangenheit an. Ausserdem erzeugt sie erst noch umweltfreundliche Energie.

Wertvolle Stoffe im Abwasser

Grosses Augenmerk legen die Abwasserspezialisten auf die optimale Verwertung der Stoffe im Abwasser, insbesondere des Eiweisses und der Mineralstoffe. Ein Projekt, das perfekt zum letztjährigen Nachhaltigkeitsmotto "Materialkreisläufe schliessen" passt. Das Ziel: die Abwasserkosten senken und gleichzeitig die hochwertigen Inhalte als Dünger nutzbar machen. So werden die Schlämme heute von einer Partnerfirma abgeführt und zu Dünger und zu Biogas verarbeitet. Die Spülmilch und die Pulverreste werden als Tierfutter weitergegeben. Doch damit gibt sich Rolf Reichlin nicht zufrieden: "Wir arbeiten daran, die Schlammstoffe künftig direkt am Standort zu Dünger zu verarbeiten."

Zukunftspotenzial vorhanden

Aktuell ist die Abwasserreinigungsanlage in Dagmersellen die einzige dieser Art in der Emmi Gruppe. Zwar muss das gereinigte Wasser am Ende des Reinigungsprozesses immer noch einen Umweg über die örtliche ARA machen, dafür konnte Emmi in den vergangenen Jahren enormes Wissen über die Verwertung der Abfälle aufbauen. Und mit den Ideen von Rolf Reichlin und Team werden wir bestimmt auch künftig noch viel lernen.

So viel Wasser braucht Emmi

2.8 Millionen Kubikmeter Wasser brauchen die Schweizer Emmi Betriebe pro Jahr für die Herstellung ihrer Produkte. Als Vergleich: Ein olympisches Schwimmbecken (50 × 25 × 2 m) fasst 2500 Kubikmeter Wasser. Emmi könnte also mit dem jährlichen Wasserbedarf 1120 olympische Schwimmbecken füllen. Würde man die Becken aneinanderreihen, ergäbe sich eine Strecke von 56 Kilometern. Dies entspricht dem Autobahnabschnitt von Kirchberg (BE) nach Dagmersellen (LU).